Ich gebe eine F*** auf den Muttertag
Ich möchte mir nicht zum Muttertag gratulieren lassen und ich möchte ihn auch nicht feiern.
Warum?
Weil ich mich nicht abspeisen lassen möchte mit Blumen und Pralinen, weil man es halt so macht.
Aus einem kommerziellen Feld heraus gepusht. Mehr gesellschaftliche Gewohnheit als ehrlicher Ausdruck von Anerkennung und Wertschätzung. F*** IT.
Es geht mir nicht gegen Liebe.
Ganz im Gegenteil.
Mein Sohn kam heute Morgen zu mir, umarmte mich und sagte:
„Alles Gute zum Muttertag.“
Und ich konnte das gut nehmen.
Warum?
Weil diese Umarmung kein einmaliger Liebesbeweis ist.
Sie ist Ausdruck unserer Beziehung, die wir jeden Morgen leben.
Unser kleines Ritual echter Begegnung mit Nährwert für beide.
Eine fortlaufende Spur von Liebe durch unseren Alltag.
Und genau darin liegt für mich der Unterschied.
Die Würdigung des Weiblichen darf nicht punktuell und symbolisch sein,
sondern sie sollte sich im Alltag verkörpern.
Durch die Spülmaschine, die immer selbstverständlich ausgeräumt wird.
Durch ein ehrliches Danke.
Eine freundliche Geste.
Eine kleine Berührung.
Gegenseitiges Gesehenwerden.
Ehrliche Begegnungen.
Gelebte Präsenz.
Nicht einmal im Jahr.
Sondern immer.
Denn Muttersein wird für mich nicht über Leistung definiert,
sondern über Präsenz,
Nährung,
Kontinuität,
alltägliche Hingabe
und Beziehungskultur.
Und es geht dabei nicht nur um biologische Mutterschaft,
sondern um die Würdigung des Weiblichen selbst.
Denn eine Gesellschaft, die Care-Arbeit und emotionale Präsenz strukturell entwertet,
kann das nicht mit Blumen kompensieren.
Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum ich heute Abend zum Gebärmutterritual einlade.
Nicht als Muttertags-Event.
Nicht als symbolische Feierlichkeit.
Sondern als bewusste Selbstzuwendung.
Als Erinnerung daran,
dass Weiblichkeit nicht etwas ist, das einmal im Jahr gefeiert wird,
sondern etwas, das im Alltag verkörpert werden möchte.
Durch Beziehung zu uns selbst.
Durch Präsenz.
Durch Ehrlichkeit.
Durch das Wahrnehmen unserer Bedürfnisse.
Durch das Wieder-Spüren unseres eigenen inneren Raumes.
Vielleicht beginnt genau dort echte Würdigung:
Nicht darin, einmal im Jahr Blumen zu bekommen,
sondern darin, uns selbst immer wieder zuzuwenden.
Schwester, lass dich nicht einlullen und unter Wert abspeisen.
LoVe
Melanie Döll
gel(i)ebte Weiblichkeit
